02.04.2016 – Mit
Spontanität in die Berge
Das
Wetter war wundervoll und ich schlief aus, da wir ja so lange geredet
hatten. 10 Uhr schälte ich mich dann aus dem Bett und plante meinen
Tag. Ich hatte mir vorgenommen meinen Blog auf Vordermann zu bringen
und dann wollte ich mir noch ein wenig die Kirschblüten anschauen,
denn in den nächsten Tagen sollte der Regen zunehmen und dann hätte
ich keine Gelegenheit mehr dazu noch ein paar schicke Fotos zu
schießen. Während das Wasser für meinen Kaffee kochte machte ich
mich daran im Internet nach schönen Orten für die Kirschblüte in
Tsukuba zu suchen. Ich fand einen wundervollen Teich, der für die
Kirschblüte der bekannteste und beliebteste Platz war und warf einen
Blick auf meine Karte. Es sah nicht allzu weit auf der Karte aus und
Google sagte, dass man diesen Platz sehr gut erreichen konnte und
eine Strecke knapp 1km betrage. Kein Thema, denn so steil wird der
Weg ja nicht werden. Ich genoss mein übliches Frühstück mit einem
kleinen Zusatz – Pfannkuchen ähnlichem Gebäck und suchte mir die
beste Route für meine Fahrt aus. Da ich in Deutschland nie wirklich
Fahrrad gefahren bin, hatte ich keine genaue Vorstellung von 10km,
aber ich hatte mir fest vorgenommen, diesen Teich zu erreichen und
mir dort die Kirschblüte anzuschauen. Um gleich dort Kaffee zu
trinken ging ich noch einmal schnell in den 100Yen Lawson und kaufte
mir einen Kakao, Scones und ein Stück Rührkuchen und dann machte
ich mich auf den Weg. Auf dem Weg neben der Straße kampierten
ebenfalls viele Leute, die dort ihr Hanami zelebrierten.
Und auch die
ersten Firmen bauten dort ihren Grill auf und stellten Bier und
anderen Alkohol kalt. Ich radelte los und blieb kurz an dem Park nahe
der Uni stehen, um dort die Leute zu beobachten Dann ging meine Fahrt
weiter und nach kurzem Zögern nahm ich den kürzeren Weg, der mich
aber über eine Landstraße führen würde. Man würde mich schon
nicht umfahren, wenn auch auf denen 40km/h erlaubt waren. ^^ Ich
radelte und die Landstraße entpuppte sich als Nebenstraße, auf der
teilweise spärlich Autos Platz hatten. 2 Autos nebeneinander, waren
an manchen Stellen nicht denkbar, weshalb ich ein schlechtes Gewissen
den Autofahrern gegenüber hatte.
Das verflog jedoch schnell, als ich
die Landschaft bewunderte. Ich radelte langsamer und begutachtete
Felder, typisch japanische Häuser und die Berglandschaft im
Hintergrund. Es war wunderschön und ich genoss die Sonne und freute
mich über die Landschaft und das schöne Wetter. Irgendwann hielt
ich an, um mich zu vergewissern, dass ich auf der richtigen Straße
war, denn diese wurde immer kleiner, die Gegend Ländlicher und die
Straßenschilder verschwanden. Es war nirgendwo angeschrieben, auf
welcher Straße ich mich eigentlich befand und ich beschloss Leute zu
fragen, nachdem ich mir überhaupt nicht mehr sicher war, wo ich mich
befand.
Ich fragte einige Leute, die mit ihrer Gartenarbeit oder
Feldarbeit beschäftigt waren, die mir jedoch die alle die gleiche
Antwort gaben: Der Berg Tsukuba ist in die Richtung und wir haben
keine Ahnung, wo der Teich ist, den du suchst. Aber gib auf dich
Acht, wenn du weiterfährst. Ich gab Acht beim Weiterfahren, auch
wenn ich keine Ahnung hatte, wo ich mich befand. Die Richtung stimmte
schon Mal. Immer zum Berg und dort dann Rechts abbiegen. XD Ich fuhr
also weiter stur die Straße entlang und freute mich immer noch über
das Wetter. Ich kam auf eine Kreuzung, die endlich Mal die Nummern
der Straße nannte und ich stellte fest, dass ich auf der richtigen
Straße war.

Dann fuhr ich einen Radweg entlang, auf dem sehr viele
Kirschbäume gepflanzt waren und obwohl ich wenig später erfuhr,
dass ich eher hätte abbiegen müssen, machte es mir nichts aus, da
die Aussicht einfach zu schön war. ^^
 |
| japanische Kleingürten... |
 |
| Kleingartenanlage Nr. 2 |
Ich fragte dann nach einer
Weile dann doch Mal nach dem Weg und fuhr endlich Mal zum Park, wo
ich 10 Minuten später auch ankam. Der Wind hatte zugenommen und die
Sonne war mittlerweile hinter den Wolken verschwunden und schlagartig
war jegliche Wärme weg. Ich stellte mein Fahrrad neben einer
Sporthalle ab und ging in den Park, wo ich immer noch meinen Kakao
trinken und meinen Kuchen essen wollte. Ich schoss sehr viele Fotos
und suchte mir dann ein Plätzchen, wo ich mich hinsetzen konnte. Es
war wirklich ein sehr schöner Park, auch wenn mittlerweile die
Wolkendecke unzertrennlich geworden war.
 |
| Schrein nahe des Parks |
An einem Baum blieb ich
jedoch stehen und lauschte. Irgendwo war ein Specht am Werk, den man
jedoch nicht fand, egal wie sehr man diesen Baum auch begutachtete.
Ich ging also weiter und beobachtete ein paar Angler, die fröhlich
am Rand standen und angelten. Der Wind wurde stärker und ich suchte
mir ein geschütztes Plätzchen zum Essen.
 |
| Tsukuba-san mit Sakura | |
 |
| Oike Park |
Danach schoss ich noch ein
paar Fotos und als ich dann schließlich anfing zu frieren beschloss
ich zurück zu fahren.
Es war mittlerweile schon 15 Uhr und ich
machte mich auf den Heimweg. Ich beschloss den Fahrradweg noch etwas
zu nutzen, da die Karte sagte, ich könne diesem noch etwas folgen
und dann auf die große Schnellstraße abbiegen.

Aber wieder einmal
waren an den Straßen keine Nummern eingetragen und leider stand auch
nie dran, wo ich Richtung Zentrum abbiegen konnte. Deshalb fuhr ich
noch etwas weiter und fragte dann einen Opa der mir einen völlig
umständlichen Weg erklärte und sich Sorgen machte, ob ich noch vor
Einbruch der Dunkelheit zu Hause ankommen würde. Ich fuhr also das
Stück wieder zurück und fand schließlich eine Straße, die ich
nehmen konnte. Ich fuhr und genoss die Aussicht und kam schließlich
auf die große Schnellstraße.
 |
| Angler in der Kirschblüte |
 |
| Interessenverteilung. xD |
Jetzt hatte ich es fast
geschafft…fast….fast…noch ein kleines Stück…und noch eins
und…die Schnellstraße zog sich Ewigkeiten hin und ich kam nach
einer knappen Stunde endlich zu Hause an. Es war nach 5 Uhr und ich
fühlte mich völlig ausgelaugt, aber sehr gut. Ich schaltete meinen
Computer an und wollte eigentlich meinen Blog weiterschreiben, als
ich sah, dass sie Eltern online waren.
Also gab es erst einmal
Videochat, bei dem ich schon anfing schläfrig zu werden. Nachdem wir
aufgelegt hatten, merkte ich, dass ich nicht mehr zu wirklich viel in
der Lage war und ging ins Bett. Immer hin musste ich am nächsten Tag
zeitig aufstehen, da es ja wieder nach Tokyo gehen sollte. Also
nutzte ich die 9 Stunden, die mir bis zum Aufstehen noch blieben und
schlief. Kaum hatte mein Kopf das Kissen berührt war ich auch schon
eingeschlafen…ich hatte an diesem Tag gut 30km zurückgelegt und
das fühlte ich auch.
03.04.2016
– Unter den Kirschbäumen – oder: Wie ich die kleine Julia traf
 |
| Morgenbekanntschaft auf dem Weg zum Bahnhof |
Mein
Wecker riss mich aus dem Schlaf und ich fühlte mich unausgeschlafen.
Es war kalt und draußen regnete es…und dabei wollte ich doch zum
Hanami nach Tokyo fahren. Schnell fertig machen und noch schnell
frühstücken. Aber erst einmal eine E-Mail an Natsumi, ob es in
Tokyo wenigstens schön war. Ich bekam grünes Licht und machte mich
noch fix auf zum Seven Eleven und dann fuhr ich mit dem Rad in die
Stadt. Es war nass und kalt und überhaupt echt ungemütlich. Das war
mir jedoch egal. Auch wenn ich kaum etwas sah, wegen des Sprühregens
fand ich meinen Weg in die Stadt und stellte mein Rad an einem
Einkaufszentrum ab, wo man keine Gebühren bezahlen musste und lief
zurück zur Bahnstation, wo ich meine Karte auflud und in die nächste
Bahn sprang. Fand einen Sitzplatz und machte mich daran meinen
mitgebrachten Manga zu lesen. Mir gegenüber saß ein blonder
Ausländer, der in ein Buch mit dem Titel „Ritual Theatre“
vertieft war und die Oma neben ihm schaute nun mich fasziniert an und
war erstaunt, als ich einen japanischen Manga aus meinem Rucksack
fischte und anfing zu lesen. Kritisch beobachtete mich Oma, ob ich
auch wirklich las, oder nur so tat als ob. Doch als ich wenig später
umblätterte nickte sie andächtig und wenig später schlief sie auch
ein, beim stetigen Ruckeln der Bahn. Auch mich raffte es nach wenigen
Seiten dahin und nachdem ich mir meine Bahnverbindung herausgesucht
hatte schlief ich bis zu meiner Haltestelle.
 |
| Nakameguro |
Ich fuhr dieses Mal
nicht bis zu Endstelle, sondern stieg schon eher aus, da von dort aus
günstigere Verbindungen möglich waren. Nachdem ich in Kita-Senju
angekommen war eilte ich erst einmal auf Toilette, wo ich mich brav
in die Schlange der wartenden Frauen einreihte und wartete und
wartete und nach 10 Minuten war ich dann auch endlich Mal an der
Reihe. Ich schaute noch einmal nach meiner Verbindung und stellte
fest, dass ich doch schon zum Treffpunkt fahren musste, da ich sonst
zu spät kommen würde. Mein eigentlicher Plan war gewesen, noch
schnell einen Laden abzuklappern und dann zum Treffpunkt nach
Nakameguro zu fahren, doch da ich auch nicht zu spät da sein wollte
und knapp 45 Minuten bis zu diesem Bahnhof brauchte, fuhr ich gleich
und verschob den Einkauf auf später.


In Nakameguro angekommen war
auch schon der zweite Kaffee durch und ich blieb verdutzt vor der
Frauentoilette stehen, da die schlange der wartenden Frauen einmal
die Treppe nach oben bis auf den Bahnsteig reichte. Ich stieg also
die Treppen nach oben und reihte mich in der Schlange ein. Es dauerte
wieder knapp 30 Minuten, bis ich die Treppen wieder nach unten
gestiegen war und hatte auch schon eine Nachricht von Natsumi
erhalten, wo genau wir uns treffen würden. Ich schnappte mir einen
Flyer über die Kirschblütenstraße, die dort zu finden war und fand
Natsumi auf Anhieb. Erst einmal gingen wir schnell einkaufen und
trafen uns dann mit einem ihrer Bekannten. Eigentlich hatte es ja ein
Firmentreffen werden sollen, aber da so viele Selbst in Hanami
verwickelt waren, kamen Bekannte nur Mal kurz vorbei und grüßten
und gingen dann wieder ihrer Wege. Danach trafen wir noch einen
weiteren Bekannten Natsumis, der mit seiner kleinen 4-jährigen
Tochter gekommen war und zu 5. gingen wir dann zu dem Park.
 |
| Picknick. ^^ |
Wir
brauchten eine Weile, da wir immer wieder stehen blieben und die
Blütenpracht fotografierten, die sich uns auf dem Weg dorthin bot.
Neben einem Fluss bahnte sich eine Reihe Kirschbäume, die sich alle
von ihrer schönsten Seite zeigten. Man wusste nicht, wo man
hinschauen sollte, davon abgesehen, dass man zig Leute anrempelte,
denn die Seitenstraßen waren Rappel voll von Menschen. Nach dem Park
in Ueno war dies der beliebteste Ort, um Kirschblüten anzuschauen.
Wir liefen weiter, fotografierten hier und dort und kamen dann doch
noch im Park an, wo wir Matten ausbreiteten und es uns gemütlich
machten.
Wir packten den Einkauf aus und Natsumi zauberte aus ihrer
Tasche Hühnchen, Fleischbällchen, Baguettes, Sushi und noch vieles,
vieles mehr. Wir machten uns ans Essen und stießen mit Sekt an, der
dann relativ schnell von Wein abgelöst wurde und der dann wieder von
Sekt. Die kleine Julia hob als erstes ihren Becher mit Orangensaft
zum Anstoßen und dann zogen die Erwachsenen nach. Dann wurde sich
auf das Essen gestürzt und immer wieder wurden die Becher
nachgefüllt, auch wenn man eigentlich noch nicht ausgetrunken hatte.
Die Kirschbäume waren wirklich sehr schön und obwohl es bewölkt
war und ganz kurz nieselte, war es relativ warm, sodass man sogar
ohne Jacke dasitzen konnte. Julia wurde langsam unruhig und als die
Erwachsenen ihre Schatzkiste mit Süßigkeiten auch nicht mehr so
interessant fanden, wie das Gespräch, wollte sie spielen gehen.
Zuerst war Papa an der Reihe. In der Zwischenzeit unterhielten wir
uns über die verschiedenen Möglichkeiten, die es gäbe mich in
Japan irgendwo Jobtechnisch unterzubringen.
 |
| Juilia ^^ |
Als Julia und ihr Papa
wieder da waren unterhielten wir uns eine ganze Weile sehr gut
miteinander und dann war ich dran. Julia drückte mir ihren
Seifenblasenspender in die Hand und ich hatte Glück, dass ich gerade
noch so meine Schuhe anziehen konnte. Gemeinsam gingen wir zu einer
kleinen Hecke, bei der niemand gestört werden würde, sollten
Seifenblasen durch die Luft fliegen. Gnädiger Weise durfte auch ich
ein paar Seifenblasen machen, die natürlich nie so schön wurden,
wie die von Julia. Ich fand auch die Methode interessant. Es war
nicht, wie bei uns in Deutschland, dieser Ring, sondern wie eine Art
Röhrchen oder Strohhalm in den man hineinblies, um die Blasen zu
erzeugen. Als die Laugenflüssigkeit verbraucht war kam dann auch
schon der Papa, der sich wunderte, wie lange eine Packung
Seifenblasen anhalten konnte und Julia erzählte ihm von ihren
Künsten. Dann wurde ein Foto geschossen und dann wurden wir an die
Hand genommen und durch den Park zurück zu unserem Platz geführt,
wo ich mich hinsetze und etwas Trinken und Essen durfte. Wenig später
gesellte sich eine junge Dame aus Kasachstan dazu, die in den
Vereinigten Staaten lebte und die gerade in Tokyo Urlaub machte und
vor einigen Jahren Mal bei Natsumi über Couchsurfing übernachtet
hatte. Wir unterhielten uns auf Englisch, da sie kein Japanisch
konnte und dann wurde es wieder Zeit mit Julia spielen zu gehen.
Dieses Mal ging es auf ein Schaukelpferd, wobei es egal war, dass da
Leute daneben saßen.
 |
| Unsere Hanami-Gesellschaft |
Die wurden einfach ignoriert, weshalb ich das
Entschuldigen übernahm und Julia ein paar Mal aufforderte doch etwas
vorsichtiger zu schaukeln. Die Japaner, die neben dem Schaukelpferd
ihre Matte ausgebreitet hatte rätselten in der Zwischenzeit schon,
wo ich denn herkäme und es war das erste Mal, dass jemand vermutete,
ich sei aus Schweden. XD Die jungen Herren in der Runde, die gern ein
Gespräch anfangen wollten, sich aber nicht trauten, weil ich ja
meine Tochter bei mir hatte, fragten mich zwar ein paar Sachen aus,
hielten sich aber zurück, bis sie mitbekamen, dass Julia gar nicht
meine Tochter war. Ich fand es sehr lustig, dass ich für Julias
Mutter gehalten wurde und hatte extreme Probleme nicht loszulachen,
als die Gruppe feststellte, dass Julia mehr nach ihrem Vater käme
und ich darauf antwortete: „Keine Ahnung. Ich kenne ihre Mutter
nicht.“ Die Gesichter waren sehr amüsant und es dauerte eine
Weile, bis sie begriffen, dass Julia nicht mein Kind ist.
Als
daraufhin das Eis bei den anwesenden Herren schmolz machte Julia
ihnen klar, dass ich ihre Freundin war und bevor sie weitere Versuche
starten konnten tauchte Julias Papa auf, wo sie schließlich gänzlich
aufgaben. Eine sehr komische Situation! Da mittlerweile die Getränke
zur Neige gegangen waren machten Natsumi und ich uns auf neue
Getränke zu kaufen, Julia wollte uns begleiten und da wir uns so gut
verstanden erlaubte ihr Papa auch, dass wir auf sie aufpassten. Julia
blieb an jeder Blume stehen und fragte, wie diese heißen und da ich
mich mit japanischer Botanik nicht so gut auskenne brachte ich ihr
die deutschen Vokabeln bei, da Natsumi einige Blumen auch nicht
bestimmen konnte.
 |
| Müllberge im Park xD |
Im Konbini angekommen nahmen wir noch eine Flasche
Wein mit und ein paar Snacks und Julia bekam ein Eis, nachdem sie uns
versichert hatte, dass ihr auch nicht kalt war. In der Zwischenzeit
war sie zu faul geworden, um zu laufen und da sie mitten auf der
Straße stehengeblieben war, trug ich sie ein Stück, bis ich sagte,
sie sei doch schon groß und könne dann ihrem Papa sagen, dass sie
das ganze Stück alleine gelaufen war. Wir kamen an einer
Katzenvermittlung vorbei, wo die Katzen, wie in einer Pension frei im
Zimmer herumtoben konnten und die Pfleger gerade mit ihnen spielten.
Ausnahmsweise Mal eine Tierstation, die mir gefiel. Wir bestaunten
eine Weile die Katzen und gingen dann wieder zurück zum Park.
Endlich konnte ich eine Weile sitzen und den Tag genießen.
Dann
wurde es allmählich frisch und ich beschloss mir im nächstgelegenen
Café einen Kaffee zu kaufen und da Julia ebenfalls frisch wurde,
nachdem sie ihr Eis aufgegessen hatte, brachte ich ihr einen Kakao
mit. Ich schoss noch ein paar Fotos und drehte ein kleines Video von
dem Park und dann gingen es zurück zu unserer Decke, wo Julia ihren
Kakao genoss und wir uns angeregt über dies und das unterhielten.
Der Wind wurde immer stärker und wir beschlossen uns auf den Heimweg
zu machen. Wir packten zusammen und dann ging es zurück Richtung
Bahnhof, wo wir noch ein paar Mal stehen blieben und die Kirschblüten
fotografierten. Julia erzählte ihrem Papa von den Blumen und
versuchte sich an die deutschen Namen zu erinnern. Dann gab es noch
Fotos von allen und weiter gin es zum Bahnhof.
 |
| alles unter Aufsicht. xD |
Die Menschenmenge
hatte sich nicht verkleinert, weshalb Julia unbedingt an die Hand
genommen werden wollte. Papa kam ihrer Bitte nach und kaum hatte er
ihre Hand ergriffen, steuerte sie zu mir und nahm meine Hand, da sie
zwischen uns schaukeln wollte. Am Bahnhof verabschiedeten wir uns
alle voneinander und jeder ging seiner Wege. Ich hatte mir
vorgenommen noch einmal nur nach Ueno zu fahren und dort die
Kirschblüten bei Nacht anzuschauen und die nahegelegenen
Schreinanlagen zu besuchen, die zu dieser Jahreszeit besonders schön
aussahen. Katya, begleitete mich und gemeinsam fuhren wir nach Ueno,
wo wir die lustigsten Szenen erlebten.

Betrunkene Japaner zu
beobachten kann so lustig sein! Einer hatte sich beim Schlafen
irgendwie die Hose und die Unterhose ausgezogen und war einfach zur
Seite gekippt und eingeschlafen. Seine Freunde versuchten nun ihn
wieder wachzubekommen, da half aber auch nicht, dass sie ihm eine
Ohrfeige nach der anderen gaben. Sie sammelten seine Sachen zusammen
und versuchten krampfhaft ihn wieder anzuziehen. Ich wusste nicht, ob
ich stehenbleiben sollte, da man so ein Schauspiel nicht jeden Tag zu
Gesicht bekommt, weil man normalerweise so betrunkene Japaner nicht
sieht, oder ob ich peinlich berührt weitergehen sollte, wie es sich
gehört. Mein Bloggerherz wusste, dass das eine so skurille
Geschichte ist, die ich definitiv beobachten musste, da aber die
Menschenmasse im Hauptgang des Parks weiter nach vorn drängte wurde
ich mitgezogen und lief zum Schrein, wo ich ein paar Nachtaufnahmen
der Kirschblüten machte und mir ein Horoskop kaufte.


Danach gingen
wir zu dem anderen Schrein, wo wir uns in die Reihe der wartenden
Leute einreihten, um die Schreinglocken zu läuten. Ich warf 5Yen ein
und sagte im Stillen meinen Wunsch auf und dann gingen wir allmählich
wieder zur Bahnstation. Katya wollte sich noch mit einem Bekannten
treffen und ich machte mich auf den Weg zum Skytree. Es war günstiger
von dort aus nach Kita-Senju und außerdem wollte ich noch einmal in
2,3 Läden vorbeischauen.
Ich hatte Glück, dass sie Läden alle bis
9 oder 10 Uhr geöffnet hatten, so konnte ich noch meinen Einkauf
erledigen und sogar noch an einer Lotterie teilnehmen, in dem ich
meinen Kassenzettel vorzeigte und eine Kugel aus einer Box zog.
Ich
bekam ein Päckchen Taschentücher und da meine gerade aufgebraucht
waren, kam mir das sehr gelegen. Dann fuhr ich hinab in die
Bahnstation und machte mich auf den Weg nach Kita-Senju und stieg von
dort aus wieder in den Tsukuba Express, wo ich dieses Mal sogar einen
Sitzplatz bekam. Ich schlief eine Runde, schrieb ein paar Nachrichten
und als eine Durchsage kam, dass man, wenn man 10 Minuten eher in
Tsukuba am Bahnhof sein will in den kommenden Schnellzug auf dem
Bahnsteig gegenüber umsteigen könnte, blieb ich einfach sitzen,
denn ich ahnte, dass dieser Zug extrem voll sein würde. Und ich
hatte Recht. So konnte ich meinen Sitzplatz sogar behalten und
brauchte nicht stehen. Immer hin waren es noch ein paar Haltestellen.
Ich stieg am Bahnhof aus und ging durch die Schranke. Ich packte erst
einmal alles in meinen Rucksack, sodass ich alles in meinem
Fahrradkorb unterbringen konnte.
Ich schnappte mir noch ein paar
Flyer, über gute und günstige Orte, um sich Nahe Tsukuba die
Kirschblüten anzuschauen und dann lief ich zum Fahrradparkplatz, wo
ich mein Rad abgestellt hatte. Auch hier waren die Leute beim Hanami
gewesen und torkelten gerade nach Hause zurück. Ich schnappte mir
mein Rad und fuhr nach Hause. Es war sehr angenehm und obwohl es den
ganzen Tag bewölkt gewesen war, war es noch relativ warm. Ich genoss
den Anblick der Kirschblüten an den Bäumen, die von den Laternen in
den Parks angeleuchtet wurden und fuhr langsamer zurück, als sonst.
Zu Hause quetschte ich mein Fahrrad zu den anderen und dann ging ich
nach oben, wo ich meine Sachen aussortierte, meine eigenen
Kirschblüten bewunderte und dann müde und erschöpft in mein Bett
fiel.
04.04.2016
– Das war wohl Nichts...
Es
hatte über Nacht ein bisschen geregnet und die Wolken verdeckten die
Sonne noch ein wenig, als ich aufstand und meinen Wasserkocher
anschaltete. Ich muss es einfach noch einmal erwähnen...ich habe
einen Wasserkocher! Und einen Kühlschrank! Ist es nicht
wundervoll!!! *.* Als ich gerade mein Frühstücksfoto schießen
wollte hörte ich Kinderstimmen und wunderte mich, da bei dem Wetter
normalerweise keine Spaziergänge anstanden, aber ich hatte richtig
gehört. Die Kleinen gingen brav ihre Runde und obwohl es zwar kalt
aussah, war es relativ warm, da auch die Erzieherinnen keine Jacke
trugen.
Ich genoss mein übliches Frühstück, zu dem sich immer
häufiger ein Frühstücksei gesellt und gönnte mir auch einen Toast
mit Milchrcreme. Es trocknete relativ schnell und als ich gerade
meinen Plan für den Tag erstellen wollte, wurde ich zum Glück daran
erinnert, dass am Abend ein Vortrag in der Uni stattfand, zu dem wir
eingeladen wurden, um den deutschen Vortragenden aus der Uni Hamburg
zu unterstützen. Der Wetterwechsel machte mir zu schaffen und
eigentlich hatte ich nicht wirklich Lust überhaupt mein Zimmer zu
verlassen, weshalb ich mich erst einmal hinlegte und hoffte, dass der
Kopfschmerz von allein verschwinden würde. Nachdem ich ein paar
Stunden geschlafen hatte ging ich erst einmal schnell in den 100Yen
Lawson, da ich noch Aufstrich und Yakult holen wollte.
Ich fand, zu
meiner Freude ein Stück Melone, die ebenfalls nur 108Yen kostete.
Ein Stück musste natürlich ebenfalls mit. Ich fühlte mich zwar
noch sehr erschlagen vom Wochenende, aber das hinderte mich nicht
daran, erst einmal die Straßen um mein Wohnheim zu fotografieren, wo
überall die Kirschbäume blühten. Es war einfach zu schön mit
anzuschauen. Als ich vom Lawson zurückkam blieb ich erst einmal vor
dem Wohnheim stehen und musste lachen. Der Bär, den die
Mitbewohnerin aus dem ersten Stock gewaschen hatte, war scheinbar
immer noch nicht trocken und damit das der Fall wurde, hatte sie ihn
zum Trocknen aus dem Fenster gehangen...mit dem Hintern vorn an! XD
Es war ein zu herrliches Bild, welches nach Verewigung schrie! Ich
fotografierte den Einbrecher und blieb nicht die Einzige, denn jeder
– sogar die Leute vom Wohnheimbüro – blieben stehen und
fotografierten dieses lustige Szenario! Im Zimmer angekommen machte
ich mich dann langsam fertig und fuhr in die Uni, wo ich viel zu früh
ankam und eigentlich meine Post wegschaffen wollte, doch die hatte
ich im Rucksack vergessen. Ich sah mich also erst einmal im Gebäude
um und machte den Raum ausfindig, bevor ich schnell auf Toilette
huschte und mich danach auf eine Bank setzte und auf die anderen
wartete.
Als ich jedoch die wundervollen Kirschblüten sah, ging ich
jedoch noch einmal nach draußen und fotografierte den Baum, der in
voller Blüte stand. Ich traf auf Tanja, die mir von ihrem
Japanisch-Test berichtete und dann gesellte sich Yuiko zu uns, der
ich an dem Tag leider abgesagt hatte, da ich den Schlaf wirklich
nötig gehabt hatte. Danach traf auch der Rest ein und gemeinsam
gingen wir in den Vorlesungssaal, wo ich auch auf Frau Schmidt traf,
die ebenfalls zum Vortrag gekommen war. Auch Aizawa-Sensei war
anwesend und gespannt warteten wir auf das, was sich uns bieten
sollte.

Im ersten Teil, der über die unterschiedlichen Lernmethoden
und Ausrichtungen von Hochschulen handelte, würde ein Vortrag
abgehalten werden, der uns einen groben Überblick über die
Situation geben würde und danach sollte eine Diskussion mit dem
Präsidenten der Uni Hamburg und der Uni Tsukuba stattfinden. Der
Vortrag war gut und auch spannend, nur leider viel zu kurz. Nach knap
15 Minuten war der Vortrag schon vorbei und die Diskussion sollte
stattfinden. Die Bühne wurde verdunkelt und obwohl man jede Bewegung
auf dieser sehen konnte huschten schwarze Gestalten auf dieser herum,
um unauffällig Stühle hinzustellen und das Rednerpodest
wegzuräumen. Mittlerweile waren auch alle Anwesenden wieder wach,
die in der Zwischenzeit eingeschlafen waren.
Bei einigen hatte ich
das dringende Bedürfnis gehabt, sie anzusprechen und ihnen zu sagen,
dass sie doch bitte den Laptop wegstecken sollen, wenn sie schon
schlafen und dabei immer zur Seite kippen. Ein Anderer verkörperte
das typische Vorurteil der Technik Gewandtheit der japanischen
Bevölkerung, in dem er seinen PC vor sich abstellte, um sein Tablet
herauszuholen und dann sein Smartphone zückte, um eine Datei von
seinem Telefon auf sein Tablet zu leiten, damit er weiter an seinem
Computer arbeiten konnte. Herrlich! Und auch wenn man den Eindruck
gewinnen könnte, dass ich dem Vortrag nicht gelauscht hätte, so
trügt dieser Anschein! Der Vortrag war wirklich gut. Dann hatten die
schwarzen Gestalten im Hintergrund ganz offensichtlich
unoffensichtlich die Bühne umgeräumt und das Licht wurde auf der
Bühne wieder angeschaltet. Es folgte ein leises überraschtes „Oh“
und dann wurden auch schon die Diskussionsteilnehmer angesagt. Der
Anfang der Diskussion war sehr gut, was auch an den vorbereiteten
Fragen der Diskussionsleiterin liegen konnte. Als es jedoch um die
Fragen aus dem Publikum gab Herr Lenzen aus Hamburg bereitwillig
Auskunft, was man leider nur von ihm behaupten kann. Und als eine
kritische Frage aus dem Publikum kam, schottete sich der Redner aus
Tsukuba völlig ab und ließ die Diskussionsrunde sogar abbrechen.
Total verrückt! Wir waren völlig perplex und enttäuscht von dem
Schauspiel, welches uns geboten wurde und verließen kopfschüttelnd
den Saal. Wir unterhielten uns noch mit ein paar Freunden und dann
machten wir uns auf ins Wohnheim. Auf dem Plan stand Curry! Und dazu
gab es einen Salat mit Tofu, Paprika und Gurke. X3 Wir kochten und
brodelten und freuten uns, dass es bald etwas zu Essen geben würde.
^^
Als das Essen dann fertig war setzten wir uns wieder in den Gang
und genossen unser fürstliches Mal, welches unglaublich lecker
schmeckte. Wir unterhielten uns, bis das Essen und der Wein uns
schläfrig machten und wir alle beschlossen ins Bett zu gehen. Ich
räumte mein Geschirr weg und schüttete mein gebratenes Fleisch in
mein Curry, da wir einige Vegetarier in der Gruppe hatten und räumte
den Rest Curry in den Kühlschrank. Danach ging es dann nur noch satt
und zufrieden ins Bett, wo ich sofort einschlief.
05.04.2016
– Es gibt solche und solche Tage. ^^‘‘‘
Die
Sonne schien und ich rollte mich von einer Seite auf die nächste.
Ich hatte unglaublich schlecht geschlafen und war ständig wach
gewesen. Doch da ich keinen Stress hatte, machte ich langsam und
schlief aus. Zum Frühstück gab es den Rest Baguette vom Wochenende,
der erstaunlicher Weise immer noch sehr lecker war und Melone und wie
immer Müsli und Joghurt. Ich war immer noch etwas geschlaucht vom
Wochenede und beschloss den Tag ruhig anzugehen. Auf dem Plan standen
mein Einstufungstest für den japanisch Unterricht, den wollte ich
endlich fertig bekommen. Dann hatte ich eine Mail von einer Freundin
bekommen und somit war ein Videochat für den Tag geplant. Nach dem
Frühstück schnappte ich mir mein Tagebuch und es ging erst einmal
an die frische Luft, nicht ohne mich vorher einzucremen. ^^''' Einmal
Sonnenbrand hatte für den Anfang ausgereicht. Ich merkte jedoch, wie
ich müde wurde und bevor ich doch noch in der Sonne einschlief
machte ich mich auf den Weg nach drinnen, wo ich mich, meinem Test
widmete...Der Anfang verlief sehr gut, doch das System des Tests war
nicht gerade das wundervollste...wer will bitteschön in 4 Sekunden
eine Antwort auf eine Frage haben, bei der man vielleicht doch Mal
gern nachdenken würde?! Die Struktur blieb jedoch fast immer die
Gleiche. 4 Sekunden Fragen für einen Frageblock. Es gab
Hörverständnis, Leseverständnis und Kanji und danach wurde dann
ein wundervolles und komplett represäntatives Ergebnis erstellt,
welches natürlich überhaupt nicht durch die zeitliche Einschränkung
und den damit verbundenen Druck verfälscht wurde...ach was!, alles
ganz natürlich! Jeder von uns antwortet auf alle Fragen in weniger
als 4 Sekunden und hat dabei noch Zeit zum nachdenken und
klicken...Japaner können es ja auch. XD Der Test ging extrem lange
und nach über einer Stunde ließ dann auch meine Konzentration
nach...und dann kam der Kanjitest. Ich sprang vor Freude durch mein
Zimmer, als ich die Beispielfragen sah und klickte völlig motiviert,
aber auch ko auf den Start-Knopf...und ich wünschte mir, ich hätte
es nicht getan! Wo die Kanji aus den Beispielfragen viel zu einfach
waren, waren jetzt Kanji dabei, die aus 8 Zeichen bestanden und die
ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte und irgendwo in der Mitte
fehlte ein Kanji...finde heraus, welches das richtige ist...in 4
Sekunden...unmöglich! Ich schnitt demnach auch nicht gerade
zufriedenstellend, für meine Verhältnisse ab und war extrem
enttäuscht, weshalb ich meinen Computer nach dem Test zuklappte und
mich erst einmal hinlegte. In meinem Kopf wimmelte es vor lauter
Zeichen und Bedeutungen und ich fiel in ein riesiges Loch, da man
nach einer Stunde permanentem Zeitdruck von 4 Sekunden einfach nur
noch erschöpft ist. Ich schlief eine Runde und als ich mich besser
fühlte gab es erst einmal einen leckeren Tee. Ich unterhielt mich
mit meinen Mädels und dann war es auch schon Zeit für meinen
Videochat. Es funktionierte alles Prima und das Gespräch ging
länger, als geplant. XD Wie das immer so ist... Und plötzlich war
es Mitten in der Nacht und es war zu spät und ich zu faul, um mir
noch etwas ordentliches zu Essen zu kochen, weshalb es an dem Tag
ohne essen ins Bett ging, wo ich auch sofort einschlief und von
wirren Kanji träumte.
06.04.2016
– Manches erlebt man nur einmal…
Wer
errät wie das Wetter an diesem Morgen war, dem schicke ich ein paar
Sonnenstrahlen. ;)
Es
war unglaublich, wie warm es plötzlich im Zimmer war! Der perfekte
Tag, um sich in Tsukuba in einen Park zu setzen, zu arbeiten und die
Kirschblüten zu genießen. ^^ Als ich jedoch mein Zimmer verließ
traf mich allerdings erst einmal der Schock meines Aufenthaltes! Mein
Schrank war weg…und mit ihm sämtliche Jacken und Westen, die in
ihm gehangen hatten. Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, was
geschehen war und suchte nach der versteckten Kamera, die den blöden
Blick des Ausländers aufnahm, wenn er bemerkt, dass sein Schrank weg
ist. Erst einmal schnell bei den anderen klopfen, ob die etwas
mitbekommen hatten. Keiner hatte etwas gesehen oder gehört, weshalb
ich mich fix auf den Weg zum Müll machte, um zu schauen, ob er
vielleicht von der Wohnheimleitung auf den Müll gebracht worden war,
obwohl ich keinen Zettel dafür an meiner Tür kleben hatte. Dort lag
aber kein Schrank… Aber…Moment…Warte…dort, auf dem kleinen
Haufen Stoff…das waren doch tatsächlich meine Klamotten!!! Mit
einem unaufhörlichen Kopfschütteln kramte ich tatsächlich meine
Kleidung vom Müll! (Ich müsste es fett markieren und
unterstreichen, um die bizarre Situation zu beschreiben!!!) Das geht
doch gar nicht! Da war mein Schrank, mitsamt meinen Kleiderbügeln
verschwunden und ich fand meine Kleidung auf dem Müll!!! Ich presste
meine Jacken an mich, als ob sie der größte Schatz auf Erden wären
und ging zurück, wo ich ungläubig meinen Fund präsentierte. Ich
hielt auch gleich die Putzfrau an, als diese im Gang vorbeikam, da
ich wissen wollte, ob es die Wohnheimleitung war, doch die sagte mir,
dass immer Zettel dranhängen würden und das ich mich doch bitte
noch einmal vergewissern sollte. Bei weiterem Nachdenken kamen wir
jedoch alle zu dem Schluss, dass es nicht die Wohnheimleitung sein
konnte, denn die hätte den Schrank mitsamt der Kleidung auf den Müll
geworfen und nicht die Kleiderbügel und den Schrank separat
entsorgt! Also schien über Nacht jemand meinen Schrank geklaut und
die Kleidung auf den Müll geworfen zu haben… Sachen gibt’s! Da
ist man in Japan, wo nichts wegkommt und dann klaut jemand meinen
Schrank! War ich froh, dass die Sonne so wundervoll schien. Und
anhand der Feuchtigkeit meiner Kleidung zu schätzen, konnte diese
auch noch nicht länger, als ein paar Stunden im Freien gelegen
haben, dafür, dass sie noch klamm war. Wir waren uns alle einig…das
konnten keine Japaner gewesen sein!!! Japaner gehen nicht in fremde
Wohnheime und kauen Schränke! Ich beruhigte mich wieder und hing
meine Kleidung auf, wo ich mich freute, dass ich die zurück hatte.
Der Schrank war nebensächlich, aber meine Jacken und Westen waren
mir schon sehr wichtig! Zum Frühstück gab es das Brot, welches
Natsumi mir mitgegeben hatte.
Ich aß zuerst natürlich das Baguette
mit Cranberries und Schokostücken, was kam einem Rosinenbrötchen
schon näher, als das?! Und was gehört auf ein Rosinenbrötchen?
Natürlich Nutella! Und dank Maria hatte ich endlich welches. X3
Danke noch einmal dafür. Es war ein Gedicht. ^^ Und weil es Dienstag
war und man sich immer etwas gönnen sollte, öffnete ich die Tube
Milchmädchen und bevor ich anfing zu essen gab es erst einmal einen
Löffel Milchmädchen pur. *-* Da das Wetter so schön war hatte ich
beschlossen noch schnell Wäsche zu waschen. Und während die
Maschine wusch besetzte ich das Bad und gännte mir auf den Schock
eine Dusche. Die Maschine war fertig und ich auch. Schnell hing ich
die Wäsche auf und behielt den größten Teil sogar in meinem
Zimmer. Da ich nicht genug Platz hatte und keine extra Leine ziehen
wollte, hing ich dann doch ein paar Sachen raus, jedoch nur die, die
ich hier wieder finden würde, weil ich sie auch hier gekauft hatte.
Ich machte mich langsam fertig und sattelte mein Rad. Im Gepäck
hatte ich meine Matten, meine Notebooks, meine Fotos, mein Tagebuch
und etwas zu lesen. Mal schauen, wie viel ich davon nutzen konnte.
Und dann ging es auch schon los. Noch schnell ein kleiner
Zwischenstopp beim Konbini, wo ich mir einen Kakao, einen
Matcha-Latte, Onigiri und etwas Süßes holte. Ich kam jedoch nicht
weit, da ich immer wieder stehen blieb um Fotos von den Straßen zu
machen, die voller Kirschbäume waren. Da musste man einfach den
Fotoapparat herausholen und Fotos machen!
Die Meile mit Kirschbäumen
neben der Straße beim Konbini war schon voller Menschen, die es sich
auf ihren Matten bequem gemacht hatten, die Kirschblüte genossen und
mit ihren Freunden und Bekannten schwatzten. Das spornte mich an
schneller zu fahren! Ich stellte mein Fahrrad ab, schnappte mir meine
Sachen und ab ging es unter die Kirschbäume. Der Park war ebenfalls
voller Menschen, die meisten Studenten bzw. Clubs aus der Uni. Ich
suchte mir ein hübsches Plätzchen und breitete mein Lager aus.
Danach beobachtete ich erst einmal die Leute und aß meine
Reisbällchen, da ich mittlerweile wieder Hunger hatte und ja gut
arbeiten wollte.
Die Baseballmannschaft hatte es sich in der Nähe
gemütlich gemacht und die ersten torkelten schon etwas, wollten
jedoch immer noch Werfen üben. Also begaben sie sich auf einen
freien Platz im Park und warfen einen Baseball hin und her. Neben mir
hatte es sich die Fakultät der Sportwissenschaften ausgebreitet, die
nach den ersten Cocktaildosen auch schon anfingen einen Ball, eine
Frisbee-Scheibe und ein Federballspiel auszupacken. Mir juckte es in
den Fingern, zu fragen, ob ich mich dazugesellen durfte, doch da ich
ja zum Arbeiten hergekommen war, trank ich meinen Kakao, beobachtete
nebenbei noch etwas die Leute und holte mein Notebook aus meinem
Rucksack und fing an zu schreiben. Nach einer Weile bekam ich Besuch
und ich merkte, dass die Japaner schon merkwürdig schauten, weil ich
unter den Kirschbäumen allein saß und arbeitete.
Doch nun war ich
ja nicht mehr allein, was mir die Gelegenheit gab erst einmal
herumzulaufen und wieder unzählige Fotos von den Kirschbäumen zu
schießen. Das nahm natürlich ein großes Zeitfenster ein. xD Die
Baseball-Mannschaft machte sich allmählich nach Hause und nach und
nach wurde es immer ruhiger im Park. Als sich die Gelegenheit anbot
zogen wir um, sodass wir den Park überblicken konnten und trotzdem
unter einem Kirschbaum saßen. Jeder suchte sich einen Baum zum
Anlehnen aus und dann hätte es losgehen können…wenn nicht die
Kirschblüten gewesen wären.
 |
| Selfie...Yoga?! |


Wir beschlossen noch ein paar Selfies
zu schießen, was auch wieder Zeit in Anspruch nahm. Und da die
Baseball Mannschaft zu viel Eis in ihrer Kühltruhe gehabt hatte,
haben sie dieses einfach an einem Kirschbaum ausgekippt. Das war
natürlich ein sehr amüsantes Bild, da man die Kirschblüten sah und
dann diesen „Eisberg“. Die perfekte Kulisse für lustige Fotos!
xD Wir kehrten nach gefühlten Stunden dann doch Mal wieder an unsere
Plätze zurück und nachdem noch schnell ein Foto vom Arbeitsplatz
geschossen wurde, ging es dann an die Arbeit. Die Leute kamen und
gingen und wir vertieften uns in unsere Arbeit. Es war einfach zu
schön in dieser Umgebung zu sein und seinen Aufgaben nachgehen zu
können. Ich huschte zwischenzeitlich noch fix in die Turnhalle extra
für die Volleyballer, wo ich das Klo suchte, nachdem ich brav die
Schuhe ausgezogen hatte. Zum Glück gab es Kloschuhe, die ich dieses
Mal nicht mit nach draußen schleppte, sondern an der Tür wieder
abstellte. Eine koreanische Familie genoss ebenfalls die Kirschblüten
und beschloss mindestens 10.000 Fotos als Andenken zu schießen. xD

Der kleine Mann, den sie mithatten rannte freudig durch den Park und
wollte alles gleichzeitig machen, nur keine Fotos. Als Papa die
Kamera dann doch Mal auf dem Boden auf einem Stativ abstellte, war
die dann plötzlich interessant und gekonnt schoss er ein paar Fotos
von der Umgebung und dann von seinem Pullover, weil er vor der Linse
stand. Irgendwann wurde das Licht intensiver und wir merkten, dass
wir die schönste Tageszeit miterlebten – den Sonnenuntergang.
Die
Kirschblüten wurden in ein tiefes rosa/orange getaucht und es war
wunderschön. Es war immer noch sehr warm und plötzlich hörten wir
die Geräusche eines alten japanischen Zupfinstrumentes.

Ein Japaner
hatte es sich am Platz bei den Anglern bequem gemacht und spielte auf
seinem Instrument. Was konnte es schöneres geben, als in einem Park
voller Kirschbäume unter einem Baum zu sitzen und das tiefe Abendrot
in den Blüten gegenüber zu beobachten und dabei traditionelle
japanische Musik zu hören. Ehrlich…man hätte weinen können vor
Freude, so vollkommen war dieser Moment! Und auch jetzt beim
Schreiben fühlt sich der Moment immer noch genauso wundervoll an.
Wir machten noch schnell ein Paar Fotos mit der untergehenden Sonne,
den Kirschbäumen und dem See im Hintergrund und dann ging es wieder
an die Arbeit. Als es fast dunkel war, was nicht allzu viel später
war, machte ich mich dann auf den Heimweg, da es durch die fehlende
Sonne schlagartig kälter geworden war und ich für diese
Temperaturen dann doch zu luftig angezogen war. Ich radelte nach
Hause und obwohl der Fahrtwind kalt war, genoss ich die Fahrt und den
Ausblick, da ich extra den Weg genommen hatte, der genau unter der
Allee von Kirschbäumen entlang führte.
Als Abendbrot gab es den
Rest Curry vom Vortag und einen Cocktail. Ich ließ es mir schmecken
und kuschelte mich in meine Decke ein, wo ich zwar noch etwas
weiterschreiben konnte, doch dann wurde ich auch schon schläfrig und
begab mich in die Waagerechte.