Thursday, 8 September 2011

Es war einmal...


...ein schlafendes Wesen, was träumte in einem fremden Land zu sein. Sie war zeitig zu Bett gegangen und hatte 11,5 Stunden geschlafen, als plötzlich ihr Wecker klingelte und ihr auffiel, dass sie nicht geträumt hatte. Sie befand sich tatsächlich in einem fremden Land. Und sie hatte ihren Wecker überhört, sodass sie länger geschlafen hatte, als gewollt. Und sie fühlte sich unglaublich erschlagen! Jetlag? Oder einfach nur zu lange geschlafen? Auf jeden Fall sprang sie aus dem Bett und in ihre Sachen. Trotz der Wintertauglichen Decke hatte sie kaum dehydriert. 20 Minuten später kam sie unten im Speisesaal an und wurde von dem freundlichen Küchenpersonal begrüßt. Die meisten ihrer japanischen Kenntnisse hatten ihr Aufstehen genutzt um sich selbst im Bett noch einmal rumzudrehen, was ihr die Erläuterung diverser Nahrungsmittel erschwerte und sie einfach nur nickte. Da bereits 2 Leute frühstückten setzte sie sich zu ihnen und sie kamen ins Gespräch. Wenigstens ihre Englisch Kenntnisse waren mit ihr aufgestanden und so konnte sie recht gut mit den anderen Wohnheimbewohnern kommunizieren. Bald gesellte sich auch noch eine neue Mitbewohnerin dazu, die genauso verschlafen wirkte, wie der Rest der Gruppe.
Ihr Mahl bestand aus gebratenem Lachs, Reis mit Furikake und etwas, was sie nicht wirklich definieren konnte, weil sie den Namen nicht mitbekommen hatte. (Zur Anmerkung für alle Leser ohne Japanisch-Kenntnisse: Furikake ist etwas, was man sich auf seinen Reis streut, damit er nicht so geschmacklos schmeckt. Es gibt Furikake in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Es hat die Funktion welche auch Zimt und Zucker bei Milchreis oder Grießbrei erfüllen.)
Als Getränk gab es wieder den Tee, dessen Namen sie nicht wusste. Ihre spätere dumpfe Müdigkeit schob sie auf das Fehlen eines bekannten und beliebten koffeinhaltigen Getränkes mit 6 Buchstaben im Deutschen, als auch im Englischen. Sie unterhielt sich gut mit ihren neuen Mitbewohnern und sie beschlossen später gemeinsam diese fremde Welt kennenzulernen.
Verhindert wurde der Spaziergang jedoch von einem Boten, der am selbigen Tag noch das Gepäck des Mädchens vorbeibringen wollte und welches sich aus diesem Grund mit einem Buch in die Lobby setzte und las.

(Risus Buchempfehlung für September: Das Känguru-Manifest. Wer die Känguru-Chroniken kennt, wird wissen wie ungemein lustig dieses Buch ist und auch der zweite Teil der Beuteltier-Trilogie steht dem in Nichts nach! Das Känguru-Manifest ist politisch orientiert und nimmt so wirklich alles auf die Schippe was man sich nur vorstellen kann. Politisch interessiert oder nicht, es ist unglaublich komisch und dabei noch intellektuell! Ein Muss für Jeden, der ein gutes und amüsantes Buch zu schätzen weiß, bei dem man auch Mal abschalten kann. Wer es nicht kennt, sollte unbedingt diesen Verlust bereinigen und die Känguru-Chroniken lesen. Man wird automatisch den zweiten Band kaufen, wenn man mit dem ersten Fertig ist! Beide Bücher erschienen beim Verlag Ullstein und wurde von dem bekannten unbekannten Comedian Marc-Uwe Kling verfasst. Es erzählt die Geschichte eines Kleinkünstlers, der ein Großer sein möchte und seinem Leben mit einem kommunistischen Känguru mit roten Boxhandschuhen. Es kostet 8,99€ im deutschen Buchhandel und trägt die ISBN 978-3-548-37383-6. Und jetzt: Auf zum Buchladen! ;) )

Nach 2 Stunden des Wartens wurde sie erhört und ein Bote brachte ihr Reisegepäck, welches sie am Tag zuvor aufgegeben hatte. Hilfsbereit stempelte der Wohnheimverwalter die Quittungen ab und lud die Koffer auf einen Rollwagen. Gemeinsam fuhren sie die Koffer in ihr Zimmer hinauf, wo sie sich höflich bedankte und sich dann dem Auspacken widmete. Nach einer knappen Stunde waren all ihre Habseligkeiten verstaut und trotz der fehlenden Kleiderbügel hatte sie alles unterbekommen.
Da sie jetzt Kleidung im Überfluss hatte konnte sie endlich beschließen Duschen zu gehen. Sie erinnerte sich an den Weg, den ihr der Wohnheimverwalter ebenfalls am Tag zuvor gezeigt hatte. Schnell packte sie alles Wichtige zusammen und brach auf zu ihrer kleinen Reise durch das Wohnheim. Doch als die die Dusche betreten wollte, war diese abgeschlossen. Wacker schlug sie sich zur nächsten Dusche weitern, welche sich als eine traditionelle japanische Badewanne entpuppte. Jeder Japaner hätte den Missbrauch der Badewanne als Dusche unter Hochverrat eingestuft, doch da sie diese abschließen konnte, wusste dies niemand. Sie duschte ausgiebig und kehrte dann in ihr Zimmer zurück. Da ihr Zimmer auf der Himmelsrichtung lag, die sie immer vergaß, bei der aber am Morgen keine pralle Sonne hereinschien war es in ihrem Zimmer auch ohne Klimaanlage angenehm kühl.
Schuhschrank-,Schreibtisch-,Zimmerschlüssel, Haupteingangskarte und Briefkastencode
Sie sortierte ihre vielen Schlüssel und versuchte sich zu merken, wo welcher Schlüssel hingehörte.
Da sie warten wollte bis ihr Haar getrocknet war ordnete sie ihre Sachen und beschloss dann, den Tag in Ruhe zu genießen und sich erst einmal dem Internet zu widmen. Schnell hatte sie den Fehler gefunden, der ihr die Benutzung desselben am Tag zuvor verhindert hatte. Das Kabel war nur leicht in die Stromversorgung gedrückt worden, sodass die Verbindung nicht hergestellt werden konnte. Alles hatte sie am Tag zuvor versucht, doch aufgrund ihrer Müdigkeit war ihr diese Idee nicht gekommen. Dies änderte sie sofort und schon hatte sie eine imaginäre Verbindung zur Außenwelt.
Da das Internet einen Pakt mit der Achse des Bösen geschlossen hat und diese als Haustiere schwarze Löcher hielten verging die Zeit, die sie vor ihrem kleinen, treuen Computer verbrachte wie im Fluge und obwohl ihr Haar trocken war, verließ sie ihr Zimmer nicht. Sie hatte sich auf ihren Tagesplan gesetzt, ihre Erlebnisse niederzuschreiben, sodass sie für die Jetzt- und die Nachwelt jederzeit einzusehen waren. Deshalb war sie so vertieft in ihre Gedanken, dass sie die Zeit um sich herum vergaß, welche von den schwarzen Löchern aufgesaugt wurde.
Das American-Football-Feld ist nur zu erahnen -  Grün hinter Grün
Das einzige Mal wo sie aufschaute war, als sie bemerkte, dass die strebsamen Schüler der Oberschule, welche sich nebenan befindet, wieder fleißig ihr Training begonnen hatten. Wieder übten sie den beliebten amerikanischen Sport „American Football“ und wie am Vortag standen zahlreich die vielen Fans am Spielfeldrand und feuerten ihre Favoriten an. Sogar das Zählen bei den Trainingseinheiten wurde nicht vom Trainer, sondern von den Fans übernommen. 
Sie nutzte diese Chance für eine Pause und nahm sich vor den Getränkeautomaten auf seine Tauglichkeit zu überprüfen. Ausgestattet mit etwas Geld fuhr sie mit dem Aufzug in den ersten Stock und besah sich die Preisliste. Als sie feststellte, dass der Automat auch Geldscheine annahm und sie der Meinung war, dass es nicht schaden konnte, etwas Kleingeld einstecken zu haben, eilte sie erneut in ihr Zimmer um einen Geldschein zu holen. Wieder unten am Automaten angekommen wollte sie der Automat ärgern und weigerte sich, trotz der vielen Bitten des Mädchens den Geldschein anzunehmen. Da sie ihr Kleingeld im Zimmer hatte liegen lassen, suchte sie dieses erneut auf, nahm ihr Kleingeld und wiederholte den Vorgang. Und zu Tage förderte sie eine Flasche Wasser eines der an ihr angrenzendes Land. Denn dort wurde der Inhalt der Flasche hergestellt, in Frankreich. Auch in Deutschland waren die Getränke der Firma Volvic sehr beliebt. In ihrem Kopf vermerkte sie, dies unbedingt in ihren Aufzeichnungen anzubringen, damit ihre Mutter, nicht in Sorge geriet, wenn sie hörte, dass sie Wasser statt Tee getrunken hatte. Glücklich und mit der Flasche Wasser ging sie zurück in ihr Zimmer und schrieb weiter an ihren Texten. 
Meine erste Flasche vom Automaten :)

Zum Abendessen war sie zumindest mit 2 von 3 Texten fertig und verschob den dritten und letzten auf einen späteren Zeitpunkt. Zum Abendessen gab es mariniertes Rindfleisch mit asiatischem Gemüse, dazu Reis, Miso-Suppe mir Rettich und Nori-Blättern, in Soja-Soße eingelegten Broccoli und etwas, was sie nicht definieren konnte. Sie traf auf die koreanischen Mitbewohner, welche sie am Vortag kennengelernt hatte und setzte sich zu Ihnen. Gemeinsam unterhielten sie sich darüber, wie sie ihren Tag verbracht hatten und stellten fest, dass sie alle 3 nicht viel unternommen hatten. Die beiden Koreaner hatten sich ausgeruht, da sie ebenfalls noch sehr Müde waren. Zudem erfuhr sie, dass sie sich ein Fahrrad gekauft hatten, damit sie sich Geld für die Bahn sparen und mit dem Rad die Umgebung erkunden konnten. Neugierig probierten sie von dem Essen, welches sie nicht kannten und fanden heraus, dass es sich bei dem unbekannten Essen um gekochte Kartoffeln handelte, die in Schweinemagen eingelegt waren. So wie sie es erfahren hatten, schoben sie gleichzeitig ihre Schalen weiter weg und widmeten sich dem anderen Essen.
Nach ihrem reichlichen Mahl widmete sie sich dann wieder ihren Texten und kontrollierte ihre imaginäre Post. Ihren richtigen Briefkasten hatte sie zwar auch schon kontrolliert, aber da niemand ihre Adresse kannte konnte die Post den Weg zu ihr nicht finden.
Bei einem Gespräch mit ihrer Kommilitonin aus dem anderen Wohnheim erfuhr sie, dass in der Nähe der Universität viele günstige Geschäfte zu finden seien. Sie beschloss daher, am morgigen Tag nach dem Unterricht dort ihre Erledigungen zu tätigen.
Da bei ihr nichts Aufregendes weiter geschehen war legte sie ihren imaginären Stift beiseite, klappte ihr imaginäres Buch zu und ging ins Bett.
Und wenn sie nicht im Bette war, so schläft sie auch noch vor ihrem Computer.
Mit diesem kleinen, unspektakulären Märchen wünsche ich euch eine gute Nacht und in Deutschland einen angenehmen Nachmittag. ;)

Und nun kommen wir zum Wetter: Es war angenehm sonnig, mit einer leichten Brise und gefühlten 100°C. Das Termometerjedoch würde natürlich behaupten, dass es sich dabei nur um knapp 30°C handelte. 
Da es auch einige Leser gibt, welche mit der jaspanischen Küche nicht so vertraut sind, hier ein paar Begriffserklärungen:
Reis -  also Reis ist das japanische Hauptnahrungsmittel schlechthin und wird zu allen Speisen dazugegessen.
Furikake - Instant Geschmacksverstärker versetztes Gekrümel, welches man über den Reis gibt, um einen anderen Geschmack hinzuzugeben. Erhätlich in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen.
Miso-Suppe - Eine Brühe aus Fischsud und Sojabohnenpaste. Diese Brühe ist die Grundlage und kann ebenfalls variabel kombiniert werden. Neben Rettich und Nori gibt es auch Miso-Suppe mit Schrimps und klaren Nudeln oder mit Feta-Käse. 
Nori - Algenblätter, das grüne Zeug, was immer um das Sushi rundrum ist
Für weitere Erläuterungen stehen meine Wenigkeit und Wikipedia gern zur Verfügung. :)

3 comments:

  1. Hey Risu,
    wow deine Berichte sind echt total schön und detailreich geschrieben (so das man fast das Gefühl hat bei deinen Erlebnissen neben dir gesessesen zu sein ^^) und vor allem sehr unterhaltsam, musste echt immer wieder Lachen was du jetzt schon für lustige Sachen erlebt hast :D

    Freu mich das du soweit gut angekommen bist und alles schön ist und dir Spaß macht. Also dann bis bald vielleicht bei Skype oder so, wir können ja mal was ausmachen, würde mich freuen =)

    Dann mach mal fein das japanische Festland unsicher und ich freu mich beziehungsweise bin schon total gespannt auf deine nächsten Berichte und lustigen Begebenheiten aus dem Land der aufgehenden Sonne.

    Lass es dir gutgehen und viel Erfolg bei allem was du in Japan so anstellst und anstellen wirst :)

    Ganz liebe Grüße aus dem Land wo die Toiletten nicht multifunktional sind, aber man die Spülung gleich ohne fremde Hilfe finden kann xD


    Der Braini ^-^v

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  2. Ich kann mich dem Vorkommentator nur anschließen.

    Es liest sich wirklich als wäre man dabei gewesen oder hätte es beobachtet. Weiter so

    Bin echt gespannt was du noch so erlebst und werde dir kürze meine To-do-Liste schicken

    Liebe Grüße aus der Schule

    Gweni

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  3. Zusätzlich zu meinen Vorrednern möchte ich hinzufügen: Ich bin Stolz auf dich: Die Ausrufezeichen halten sich in Grenzen! XD

    Witzig, dass du das Känguru-Manifest erwähnst. ^^ Bin grad am lesen. Auf YT gibts Leseproben von Kling. ;)

    Die BADEWANNE! Du... du... dreckigé Schüft! Lass dich dabei nicht erwischen. XD

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